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„ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER“ [07.09.2012]

Studie liefert umfassendes Gesamtbild

Der Lkw-Verkehr war für die deutsche Wirtschaft noch nie so wichtig wie heute - und noch nie so unbeliebt: Das negative Image des Straßengüterverkehrs in der Öffentlichkeit kann zu einer Wachstumsbremse für die Logistik werden, des drittgrößten Wirtschaftszweigs in Deutschland. Das ist der zentrale Befund der am 6. September in Berlin vorgestellten „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER. Der Mensch in Transport und Logistik".

Die Studie wurde initiiert von der ZF Friedrichshafen AG und dem Magazin FERNFAHRER. Wissenschaftlicher Partner ist das Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik (INVL) der Hochschule Heilbronn. Danach verstärkt der Imageverlust auch den bereits absehbaren drastischen Fahrermangel: 250.000 Lkw-Fahrer gehen in den nächsten Jahren in Rente - rund 40 Prozent aller Berufskraftfahrer in Deutschland. Ohne dass ausreichend Nachwuchs in Sicht ist. Innovative Ansätze sind nun gefragt. Denn wenn sich Ansehen und Attraktivität von Lkw-Verkehr und Fahrerberuf nicht verbessern, werden Logistik, Handel und auch die Endverbraucher die Folgen spüren.

Negativ-Image belastet Fahrer

Die repräsentative Befragung von Lkw-Fahrern in der ZF-Zukunftsstudie weist nach, dass für sie die negative Reputation ihres Berufsbildes eine echte Belastung bei Berufswahl und Berufszufriedenheit darstellt. So ist eine positivere Wahrnehmung ihrer Leistungen in der Öffentlichkeit für sie sogar noch wichtiger als geregelte Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen und fast so relevant wie eine bessere Entlohnung. Denn: Brummifahrer sind „Überzeugungstäter": Gut zwei Drittel aller Fahrer wählen ihren Beruf in der Mehrheit nicht wegen des Gehalts, sondern aus Spaß am Fahren (67,8 %). Umso schwerer wiegt, dass die Fahrer vor allem im Fernverkehr mit zunehmender Berufserfahrung immer unzufriedener mit ihrer Situation werden. Und der Anteil der Fernfahrten steigt weiter an, da der Lkw-Verkehr sich noch stärker internationalisieren wird.

Zukunftssicherung: Attraktiver Fahrerberuf sichert Versorgung

Während der Beruf immer anspruchsvoller wird und von Auszubildenden und Aktiven mehr Qualifikation verlangt, sehen Experten, Fahrer und Nachwuchs deutliche Defizite bei der Attraktivität des Berufsbildes. Als kritische Faktoren mit dem drängendsten Verbesserungsbedarf werden genannt: die Einkommenssituation und die soziale Absicherung, die Arbeitsbedingungen mit Überstunden, Termindruck und ungünstigen Arbeitszeiten, ein besseres Berufsimage sowie mehr persönliche Entwicklungsperspektiven. Diesen Herausforderungen muss sich die Branche mit vereinten Kräften stellen, sonst kann absehbar schon in wenigen Jahren die Nachfrage nach qualifizierten und motivierten Fahrern nicht mehr gedeckt werden, was mittel- bis langfristig die gesamtgesellschaftliche logistische Versorgung betrifft.

Aufgaben für die Zukunft

Die Ergebnisse der Befragungen lassen eindeutige Handlungsfelder erkennen: An erster Stelle steht dabei eine positivere Wahrnehmung des Berufsbildes Kraftfahrer und des Lkw-Verkehrs über verstärkte Aufklärung in der Öffentlichkeit und bessere Arbeitsbedingungen für Fahrer. Der Einsatz von Fahrern insbesondere auf Langstrecken muss optimiert und sozial verträglicher werden, um den Beruf attraktiver zu gestalten. Im Nahverkehr können Kosten eingespart und Stress für das Fahrpersonal abgebaut werden, wenn Konzepte für die Schnittstelle Rampe optimiert und Fahrern lange Be- und Entladezeiten erspart bleiben. Auch bessere  City-Logistik-Konzepte für kleinteilige Verkehre werden wichtiger. Beides ist Folge des sich individualisierenden Konsums und Handels (Stichworte: Verstädterung und E-Commerce). Weiterführende Ausbildungs- und Rekrutierungsangebote sind maßgeblich, um dem qualitativen Fahrermangel zu begegnen. Zudem sollten Transportunternehmen die Klimabilanz ihrer Flotten weiter optimieren.

Studie liefert erstmals umfassendes Gesamtbild

Die Ergebnisse der „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER" sind aufgrund ihrer Methodik im Vergleich zu bisherigen Analysen besonders belastbar. Erstmals wurden nicht nur Branchenexperten, sondern auch Fahrer (repräsentativ) und Nachwuchskräfte der Transportbranche befragt, um ein umfassendes Gesamtbild zur Imageproblematik zu erhalten und Handlungsansätze aufzuzeigen.

Die vollständige Studie finden Sie unter http://www.zf-zukunftsstudie.de  

Mitteilung des DSLV Deutscher Speditions- und Logistikverband e.V., Referat Presse und Öffentlichkeitsarbeit vom 07.09.2012


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