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Maut-Geld muss in Straßenbau fließen [06.08.2012]

Ein Kommentar von Ann-Katrin Johannsmann, NDR Info

"Schwere Lastwagen müssen nun auch auf zahlreichen gut ausgebauten Bundesstraßen in Deutschland Maut zahlen. Rund sieben Jahre nach der Einführung auf Autobahnen gilt die Gebührenpflicht ab sofort zusätzlich auf gut 1.100 Kilometern Bundesstraße.

Auf Brummi-Fahrer zu schimpfen ist so leicht, wie Raucher an den Pranger zu stellen. Schlecht für die Gesundheit, schlecht für die Umwelt, schlecht für die Gesellschaft. Deshalb kassiert der Staat bei beiden auch so gerne ab. Ab sofort gilt für LKW nicht nur die Maut auf Autobahnen, sondern auch auf Bundesstraßen.

Richtig so, denkt sich der gemeine Autofahrer. Wer hat nicht schon hinter einem Lkw-Elefantenrennen geflucht oder sich mit 20 Lastwagen über eine Bundesstraße gequält. Die Logik scheint einfach, je mehr die Lkw-Fahrer zahlen müssen, desto weniger gibt es. Endlich freie Fahrt. Das Problem ist nur, dass dieselben Leute, die sich über zu viele Lkw beschweren, morgen ihre Schuhe bei Zalando und ihre Hose bei Esprit bestellen, und keinen Gedanken daran verschwenden, wie die zu ihnen kommt. Nämlich mit dem Lkw.

Und genauso kommt sie übrigens auch wieder zurück, wenn sie nicht passt. Und das ist bei mehr als jeder zweiten Bestellung im Internet so. Es sind die Lkw-Fahrer, die sich für unsere Kaufsucht in den Stau stellen, 12-Stunden-Schichten schieben und nachts nicht mal einen Rastplatz finden, weil alles überfüllt ist. Rund 17 Cent Maut sollen sie pro Kilometer bezahlen, erstmal nur auf vierspurigen Bundesstraßen. Das hört sich wenig an, kann einer Ein-Mann-Spedition aber durchaus das Genick brechen. Pro Lkw kostet die Maut je nach Schadstoffklasse schon jetzt zwischen 7.000 und 10.000 Euro im Jahr. Aufgrund des hohen Wettbewerbs in der Branche, haben nur wenige Speditionen die Möglichkeit, diese Mehrkosten an die Kunden weiter zu geben.

Wenn das Geld wie angekündigt in den Straßenbau fließen würde, hätte die Branche wenigstens was davon. Aber das wurde bei der Einführung der Autobahnmaut auch schon versprochen. Passiert ist in den vergangenen sieben Jahren aber zu wenig. Rund 100 Millionen erwartet sich der Bund, aber 11 Prozent davon gehen schon mal an den BetreiberToll Collect. Noch sind nur gut 1.000 Kilometer Bundesstraßen von der Maut betroffen. Aber wer glaubt, dass damit Schluss ist, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Schon jetzt fordern Umweltverbände und Kommunen, dass die Maut auf alle Straßen ausgeweitet wird. Die einen, weil sie die Schadstoffe senken wollen. Die anderen, weil sie mitverdienen wollen an der Maut. Autofahrer, die heute noch feixen, werden schon morgen selber zahlen. Denn wenn die Einnahmequelle Lkw ausgeschöpft ist, wird die Pkw-Maut auferstehen. ADAC und Co. werden heftig protestieren, aber dann sind wir alle dran. Selbstverständlich mit dem gebührenden Anstandsabstand zur nächsten Wahl, schon aus Eigeninteresse im Verkehrsministerium."

Quelle: Homepage NDR Info; Sendedatum: 01.08.2012 17:08 Uhr


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